WordPress mit Plug-ins erweitern
Eine der größten Stärken von WordPress sind seine zahlreichen Plug-ins. Die große Entwicklergemeinde des Content-Management-Systems hat rund 60.000 solcher Erweiterungen hervorgebracht. Dieser Artikel stellt eine Auswahl der wichtigsten vor, mit denen Sie WordPress für fast jeden Einsatzzweck ausrüsten.
Von Jo Bager und Daniel Berger
Plug-ins bohren WordPress’ Funktionen auf: Sie rüsten schicke Bildergalerien nach, stellen sicher, dass Seiten gut bei Google ranken und können sogar komplette Shops nachrüsten. Die Erweiterungen lassen sich mit ein paar Klicks einrichten. Einen Katalog der Plug-ins finden Sie im WordPress-Backend unter „Plug-ins/Installieren“. Im Bereich „Vorgestellt“ empfehlen die WordPress-Macher einige Klassiker. Unter „Populär“ sind die momentan angesagten Plug-ins zu sehen. Ausgehend von bereits installierten Erweiterungen, zeigt WordPress unter „Empfehlungen“ weitere Vorschläge an. Über die Suchfunktion können Sie die gesamte Sammlung nach Schlüsselwörtern durchforsten und finden leicht auch die in diesem Artikel empfohlenen Erweiterungen.
Das Multitool
Statt eine Vielzahl von Plug-ins zu installieren, reicht oftmals schon Jetpack aus – eine Sammlung von Werkzeugen und Funktionen von den WordPress-Machern, die allerlei Bereiche abdecken: Das darin enthaltene Bilder-Karussell etwa setzt Fotos schick in Szene. Jetpack kann neue Posts automatisch bei sozialen Medien wie Facebook, Twitter und LinkedIn posten und das Plug-in schützt die Website vor Brute-Force-Angriffen, bei denen Angreifer versuchen, Zugangsdaten zu erraten und damit Ihre Site zu übernehmen.
Allerdings ist Jetpack eng mit dem WordPress-Hersteller Automattic verzahnt. Um Jetpack zu benutzen, ist ein kostenloser Account bei wordpress.com nötig, den Sie mit der eigenen WordPress-Installation verknüpfen. Einige Jetpack-Fähigkeiten kosten Geld, etwa der Spam-Schutz oder die automatische Backup-Funktion, die eine Website absichert. Zahlende Kunden bekommen außerdem „Priority Support“ via E-Mail. Die Preise beginnen bei rund 40 Euro im Jahr. Über manche der Funktionen von Jetpack können Daten an wordpress.com und letztlich auch an Fremdanbieter fließen. Wenn Sie das Plug-in nutzen, müssen Sie daher Ihre Datenschutzerklärung entsprechend ergänzen.

Alles sicher
Wenn Sie Jetpack nicht nutzen möchten, sollten Sie Angreifer anderweitig daran hindern, massenhaft Zugangsdaten auszuprobieren, um sich Zugang zu Ihrer Website zu verschaffen. Das Plug-in Limit Login Attempts Reloaded ist eine gute Alternative, es begrenzt die Anzahl der möglichen Login-Versuche. Eine Zwei-Faktor-Authentifizierung sichert den Zugang zu WordPress zusätzlich: Um sich einzuloggen, ist neben dem Nutzernamen und dem Passwort ein individueller Code nötig. Den erzeugt zum Beispiel die Android- und iOS-App Google Authenticator. Auf Ihrer WordPress-Instanz müssen Sie eine passende Erweiterung installieren, etwa das ebenfalls Google Authenticator genannte Plug-in von Ivan Kruchkoff.
Auch Spammer lieben WordPress: Ihr Angriffsziel ist die Kommentarfunktion. Antispam Bee unterbindet solchen Kommentarspam. Im Unterschied zu ähnlichen Plug-ins kommt es ohne Cloud-Zugriffe aus, um Spam zu erkennen. Es gleicht Kommentare stattdessen mit einer lokalen Datenbank ab, was deutlich datenschutzfreundlicher ist.
Erster bei Google
Suchmaschinenoptimierung (Search Engine Optimization, SEO) ist nützlich, damit man Ihre Website per Suchmaschine besser findet und dadurch die Besucherzahlen steigen. Das populäre Plug-in Yoast SEO greift Ihnen dabei unter die Arme. Die Basisversion kostet nichts und reicht für die meisten Websites.
Die Erweiterung klinkt sich in die Beitragsseite von WordPress ein, analysiert Ihre Texte und gibt hilfreiche Verbesserungstipps. Das Plug-in bemängelt beispielsweise zu kurze Beiträge (Google liebt lange Texte) und fehlende Zwischenüberschriften in längeren Beiträgen. Außerdem können Sie mit Yoast SEO sinnvolle Metadaten festlegen und die Überschrift optimieren. Sie taucht samt Meta-Description bei Google in den Suchergebnissen auf.

Bilder rahmen
WordPress hat zwar Funktionen zur Verwaltung und Präsentation von Bildern eingebaut (siehe S. 65), doch wer mit sehr vielen Bildern arbeitet, stößt schnell an die Grenzen der Bordmittel. Mit NextGEN Gallery können Sie Bilder im WordPress-Backend effizient organisieren und auf der Website gut in Szene setzen. Fotos lassen sich im Batchbetrieb hochladen und bearbeiten, Galerien in Alben gruppieren und vieles mehr.
NextGEN Gallery unterstützt bereits in der kostenlosen Version mehrere Galerie- und Albumstile, die sich alle in Bezug auf Größe, Stil, Timing, Übergänge, Steuerelemente und Lightbox-Effekte individualisieren lassen. Neben der kostenlosen Version des Plug-ins gibt es noch Bezahlversionen, unter anderem mit weiteren Stilen für Galerien und Alben.

Mit Besuchern in Kontakt treten
Mit der Kommentarfunktion von WordPress können Besucher ihre Meinung zu einzelnen Beiträgen ausdrücken und miteinander diskutieren. Aber vielleicht möchten Sie Ihren Lesern die Möglichkeit geben, sich unabhängig von einem Blogbeitrag direkt an Sie zu wenden? Dann hilft das kostenlose Plug-in Contact Form 7, mit dem Sie schnell ein schickes Kontaktformular zusammenklicken können. Das Plug-in ist in der Standardkonfiguration datenschutzfreundlich und verschickt die eingegebenen Daten lediglich an Sie per Mail. Contact Form 7 kann Ihre Formulare auch gegen Spam absichern. Dazu bettet es allerdings Funktionen von Dritten ein, zum Beispiel Google reCAPTCHAs oder Akismet vom WordPress-Hersteller Automattic.
Falls die Diskussionen Ihrer Leser die Kommentarfunktion sprengen, können Sie mit dem kostenlosen bbPress ein richtiges Diskussionsforum nachrüsten, mit Benutzerverwaltung und themenbezogenen Unterforen. Noch einen Schritt weiter geht BuddyPress. Mit diesem Plug-in können Sie eine Art soziales Netzwerk betreiben und Besuchern Ihrer Site erlauben, detaillierte öffentliche Mitgliederprofile zu unterhalten, Gruppen zu gründen, sich einander private Nachrichten zu senden und noch viel mehr.
Apropos soziale Medien: Wenn Sie auf Ihren WordPress-Seiten Inhalte von Facebook oder anderen Diensten einbetten, übertragen Sie Daten des Besuchers – mindestens die IP-Adresse – zu dem Anbieter, sobald der Benutzer die Seite abruft. Besser (und gesetzeskonform) ist es, wenn der Besucher selber entscheiden kann. Das stellen Sie mit dem Shariff Wrapper sicher.
Dabei handelt es sich um eine speziell für WordPress angepasste Version des c’t Shariffs. Die WordPress-Version unterstützt 32 Dienste in 25 Sprachen, darunter große Anbieter wie Facebook, Twitter und Paypal bis hin zu regionalen Diensten und Exoten wie Odnoklassniki und Diaspora.
Shop und PR
Mit WordPress lassen sich auch komplette Webshops betreiben. Das Plug-in WooCommerce hat sich dafür als Quasi-Standard etabliert. Laut WordPress-Statistik nutzen über fünf Millionen aktive Installationen dieses Plug-in. Unter den 1.000.000 größten E-Commerce-Websites werden knapp 30 Prozent als Kombination von WordPress mit WooCommerce betrieben, haben die Web-Statistiker bei BuiltWith nachgezählt.
WooCommerce ist unter anderem deshalb so beliebt, weil es sich selbst wieder mit diversen Plug-ins für die verschiedensten Zwecke feintunen lässt. Germanized für WooCommerce zum Beispiel erweitert es um die Funktionen für den rechtssicheren Betrieb eines Shops in Deutschland. Es ergänzt Hinweise für Versandkosten und Steuern, Optionen zum Anhängen rechtlicher Hinweistexte wie die Widerrufsbelehrung an E-Mails und vieles mehr. Alles in allem ist WooCommerce sehr komplex. Sie finden auf heise+ einen eigenen Artikel zu Einrichtung und Betrieb eines Shops mit dem Plug-in [1].
Insbesondere wenn Sie über Ihre Website Dienstleistungen anbieten, sollten Sie verlässliche Kontaktmöglichkeiten bereitstellen. Der Kommunikation zwischen dem Website-Betreiber und seinen Besuchern hat sich Tidio verschrieben. Mit dem Plug-in können Sie einen Live-Chat einrichten. Ein Chatbot kann den Chat erweitern. Damit können Sie auch dann Besucher automatisiert „abholen“, wenn Sie persönlich gar nicht online sind.
Eine weitere Methode, um mit Nutzern zu kommunizieren, sind Newsletter. Sie erfreuen sich in letzter Zeit wieder enormer Beliebtheit [2]. Damit Sie sich voll auf Inhalte konzentrieren können, nimmt Ihnen das schlicht Newsletter getaufte Plug-in die Handarbeit ab. Es führt die Empfängerlisten, sorgt für einen kontrolliert langsamen Versand, damit der Newsletter nicht als Spam aussortiert wird, und führt Reporte, zum Beispiel über Öffnungsraten. Newsletter ist kostenlos und nach Angaben der Herausgeber DSGVO-konform.
Websites können Besucher auch direkt per Push-Notification informieren. Bei WordPress-Sites lässt sich diese Funktion zum Beispiel mit dem Plug-in des Dienstleisters OneSignal nachrüsten. Bis zu 10.000 Empfänger sind kostenlos.
Egal ob Chatbot, Newsletter oder Push-Notification: Achten Sie darauf solche Möglichkeiten maßvoll und im Sinne Ihrer Nutzer einzusetzen. Man kann sich damit nämlich auch leicht unbeliebt machen.
Risiken und Nebenwirkungen
Falls Sie in unserer Auswahl nicht das benötigte Plug-in gefunden haben und deshalb das Verzeichnis von WordPress durchforsten: Achten Sie bei der Auswahl auf die Zeitangabe bei „Zuletzt aktualisiert“. Wenn es schon seit Langem kein Update mehr gab, blendet WordPress sicherheitshalber einen Warnhinweis ein. Die Zahl bei „Aktive Installationen“ verrät, wie populär eine Erweiterung ist. Lesen Sie zudem die Nutzerkommentare und checken die „durchschnittlichen Bewertungen“. Finden sich 1-Stern-Rezensionen, sollten Sie nach etwaigen Problemen Ausschau halten, die vielleicht erst seit Kurzem bestehen.
Der einfache Installationsprozess macht es reizvoll, schnell mal ein paar Dutzend dieser Erweiterungen zusammenzuklicken. Sie sollten es aber aus mehreren Gründen nicht übertreiben: Mit zu vielen Plug-ins droht die Performance Ihrer Website einzubrechen. Zudem können sich Plug-ins gegenseitig ins Gehege kommen. Sollte es plötzlich Probleme geben, schalten Sie die verdächtigen Plug-ins ab und nacheinander wieder ein, um den Störenfried zu finden.
Vor allem gehören (veraltete) Plug-ins zu den größten Einfallstoren für Schadcode und andere Attacken auf WordPress-Installationen. Achten Sie daher genau darauf, nur aktuelle Plug-ins einzusetzen und sortieren Sie aus, was Sie nicht mehr brauchen. Im Menü unter „Dashboard/Aktualisierungen“ können Sie schnell prüfen, ob alles auf dem neuesten Stand ist, und nötige Plug-in-Aktualisierungen auch gleich anstoßen.
Dies ist die gekürzte und überarbeitete Version eines Artikels, der zuerst in Mac & i extra Workshops erschien. (jo@ct.de)
- Literatur
- Andreas Hitzig, WordPress-Plugin: Der eigene Online-Shop mit WooCommerce: https://heise.de/-4997674
- Jo Bager, Kuratiert ins Postfach, Die Renaissance der Newsletter, c’t 22/2020, S. 120
Plug-ins: ct.de/yc2d


